„Ein aufheiterndes, sinnliches, spielerisches Werk“: Begeistert berichtete die New York Times im Herbst 2013 über die Uraufführung von Caroline Shaws „Partita for 8 Voices“ im angesagten New Yorker „Poisson Rouge“. Der Nachteil des Stücks, so die Zeitung, sei bloß, dass wohl kein anderes Ensemble den immensen Anforderungen der Partitur jemals gewachsen sein werde als das Vokaloktett Roomful of Teeth – jene Ausnahmeformation, der die Komponistin selbst als Sängerin angehört und für die sie die viersätzige Suite konzipiert hatte. Witzig greift „Partita“ nicht nur die Charakteristika barocker Tanzsätze auf. Die vokale Tour de force zieht auch eine Summe jener anspruchsvollen Gesangstechniken aus aller Welt, die Roomful of Teeth seit seiner Gründung im Jahr 2009 planmäßig erkundet und auf unvergleichlich kreative Weise miteinander kombiniert. Obertongesang aus Tuva, Jodeln und Belting, dazu koreanische, georgische, indische, persische Traditionen und natürlich die perfekte Intonation eines in der europäischen A-cappella-Ästhetik ausgebildeten Ensembles: Die acht Sängerinnen und Sänger aus dem US-Bundesstaat Massachusetts haben schlichtweg alles drauf, was man mit der Stimme überhaupt anfangen kann.
Auch die zweite Konzerthälfte bringt eine mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Komposition. Auf sehr berührende Weise denkt „The Little Match Girl Passion“ von David Lang Hans Christian Andersens Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzern mit Bachs Matthäus-Passion zusammen – und kombiniert beide mit einer Reihe assoziativer Textzitate.
