„Warum muss der Teufel immer all die guten Melodien haben?“, lautet ein bekanntes englisches Sprichwort. Diabolisch-verlockende Tonfolgen dieser Art sind es, die bei der Kooperation unserer beiden Partnerfestivals zu erleben sein werden. Der Sound der dunklen Mächte trifft auf magische Rituale und den archaischen Zauber des Voodoo. „Black Angels“, das spektakuläre Streichquartett des Amerikaners George Crumb, malt 13 suggestive „Bilder aus dem dunklen Land“. Vollendet am „Freitag, dem 13. März“ 1970, nimmt das zahlensymbolisch kodierte Werk unmittelbar Bezug auf das Grauen des Vietnamkriegs. Zwischen subtiler Kammermusik, effektvollem Horrorsoundtrack und spiritistischer Séance sind die elektrisch verstärkten Streicher vielseitig gefordert: Neben makabren Anspielungen vom Dies Irae bis zu Schuberts Der Tod und das Mädchen – auf kopfüber gehaltenen Instrumenten allerdings – warten eine Reihe weiterer Aufgaben.
Zahlenmystik, schwarze und weiße Magie durchziehen auch die literarische Collage von Friederike Kohn. Gänsehautverdächtig lesen Julia Hansen und Fabian Hinrichs von Dämonen im Bannkreis, überheblichen Zauberlehrlingen, widerspenstigen Geistern und lebensgroßen Voodoo-Puppen. „Aus eins mach zehn und zwei lass gehn“, so beginnt das Hexeneinmaleins in Goethes Faust. In Grimms Märchen und im Grimoire, dem Zauberbuch des Mittelalters, finden sich Beschwörungen und Unterweisungen, weißmagischer Liebeszauber und Verwünschungen. Weitere Textauszüge stammen aus Sir Walter Scotts „Briefe über Dämonologie und Hexerei“, Jorge Luis Borges‘ „Einhorn, Sphinx und Salamander“ und Shakespeares „Macbeth“.
