Vocado heißt ein häufig verschriebenes blutdrucksenkendes Medikament. Die Konzerte des A-cappella-Sextetts gleichen Namens wirken dagegen eher kreislaufstimulierend. Seit 2004 durchstreifen die vielfach preisgekrönten Sängerinnen und Sänger aus Mittelschweden das weite Terrain zwischen skandinavischem Folk, elegant arrangierten Jazzstandards und witzigen Pop-Covers, gerne mit einem leicht lasziven Bossa-nova-Einschlag. Raffinesse und Unterhaltung verbinden sich aufs Schönste: Die Soprane schrauben sich über groovigen Rhythmen in die Höhe, eingängige Melodien werden in mehrstimmige Sätze eingewoben. Vokale Perfektion geht bei Vocado mit stupender stilistischer Flexibilität einher – und mit einem Popsound von fast provozierender Lässigkeit.
„Songs for the Asking“ – Lieder für die Fragenden – heißt das Programm für Harsefeld. Angelehnt an den Simon & Garfunkel-Hit aus dem Jahr 1970 präsentiert es die schönsten Songs des amerikanischen Folk-Rock-Duos wie „Scarborough Fair“ oder „Bridge over troubled Water“ in eigens erarbeiteten A-cappella-Versionen. Nicht minder melodisch, aber rein schwedisch gehalten ist die erste Konzerthälfte: In einigen der populärsten Eigenkompositionen des Ensembles, in klassischen Chorsätzen, Kirchenchorälen und populären Traditionals werden Themen wie der Jahreslauf in der Natur sowie Liebe und Sehnsucht verhandelt. Das junge Schweden in all seiner Urbanität: ernsthaft und traditionsbewusst, aber stets mit einem modernen, lockeren Flair.
