Unser Thema: „Rituale“

Den tieferen Wert des Vertrauten – oft erkennen wir ihn erst, wenn ein Riss entsteht und es plötzlich fehlt. So ist es in diesen Monaten: Viele Rituale des Alltags, des Jahreslaufs oder des öffentlichen Lebens sind derzeit kaum zu praktizieren. Weil sich Menschen, viele Menschen, in diesen Ritualen begegnen, sich mittels ihrer verständigen und zur Gruppe vereinigen. Lange Zeit galten Rituale als tendenziell rückständig, als ewige Wiederholung vorgegebener Abläufe: das Gegenteil eines modernen – spontanen, individuellen und authentischen – Lebensstils. Dabei wissen wir doch, wie viel Halt, wie viel Orientierung solche kollektiven Handlungen zu geben vermögen. Und erfinden gleich wieder neue, aus der Not geborene.  

Rituale begleiten und regeln die schwierigen Übergänge zwischen biographischen, spirituellen und politischen Zuständen. Sie fordern Disziplin und regen die Fantasie an, sie vermitteln das Gefühl von Beständigkeit und Stabilität. Dabei wurden die meisten von ihnen erfunden, um Brüche und Verwerfungen zu überbrücken und über Momente der Verunsicherung hinwegzuhelfen. Tanz, Gebet oder Feier: Gerade die Musik ist seit jeher eng mit rituellen Praktiken verbunden. Und als sich das bürgerliche Konzertleben zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur selbständigen Kunstform etablierte, da entstanden im abgedunkelten Saal gleich wieder ganz eigene Rituale. Bei den Niedersächsischen Musiktagen wollen wir über sie nachdenken: Zusammen mit bekannten Solisten und exzellenten Ensembles befragen unsere Veranstaltungen zeremonielle Musikformen und schaffen Verbindungen zu Ritualen unterschiedlicher Kulturen und Zeiten.

Pssst! – Wir verraten die ersten Spielstätten, Künstlerinnen und Künstler:
Vocado

Vocado ist ein Vokalensemble aus Schweden. Sein Repertoire reicht von Folksongs und schwedischen Volksliedern über Popsongs zu Jazz-Arrangements – stets a cappella vorgetragen und raffiniert arrangiert. Die sechs Musiker und Musikerinnen wurden in ganz Europa mit Preisen geehrt.

La festa musicale

Das junge Barockensemble aus Norddeutschland verbindet Alte Musik mit innovativen Formaten. Mit Spielfreude und auf hohem künstlerischen Niveau präsentiert das Ensemble barocke Kompositionen im frischen Gewand.

Intrada

Der unverkennbare Stil des russischen Vokalensembles wird in seiner Heimat hochgeschätzt, unter der Leitung von Ekaterina Antonenko hat es sich auch international einen Namen gemacht. Der Chor beeindruckt durch seinen kraftvollen und fein nuancierten Gesang.

Ev.-reformierte Kirche, Aurich

Im Backsteinbau mit der antiken Tempelfront erwartet man keinen Kirchraum. Tritt man aber unter den dorischen Säulen durch die friesengrüne Tür, findet man im Inneren des klassizistischen Zentralbaus eine Orgel aus dem frühen 19. Jahrhundert, eine Kanzel und hölzerne Kirchenbänke. Ein außergewöhnlicher Bau und einzigartig in der Region.

PS.SPEICHER, Einbeck

In einem ehemaligen Kornspeicher präsentiert der PS.SPEICHER in Einbeck historische Fahrzeuge aus der 200-jährigen Geschichte der motorisierten Mobilität. Die moderne PS.Halle bietet viel Raum für Sonderausstellungen oder Konzerte mit Blick auf einige der chromblitzenden Exponate.

Stiftskirche Bad Gandersheim

Streng und monumental ragt der Westriegel mit seinen beiden Türmen über das Städtchen. Die Basilika stammt aus dem Jahr 856 und wurde im Laufe der Jahrtausende immer wieder umgestaltet. Der Innenraum birgt zahlreiche Kunstschätze und das fantastische Kirchenschiff strahlt in stiller Größe.

Zur aktuellen Lage

Wir blicken mit Optimismus auf die kommende Festivalsaison: Die Niedersächsischen Musiktage finden landesweit vom 28. August bis zum 2. Oktober 2021 zum Thema „Rituale“ statt. Der Vorverkaufsstart für das Gesamtprogramm startet Mitte Juli.

Die Planungen für die Musiktage sind im vollen Gange; vieles, was für 2020 geplant war, konnten wir in die neue Saison hinüberretten. Aktuelle Informationen zu bestätigten Künstlern und Spielstätten werden wir hier kontinuierlich bekannt geben. Bleiben Sie auf dem Laufenden und melden Sie sich zu unserem digitalen Festival-Newsletter an.

Die Corona-Pandemie stellt nach wie vor die Akteure des Kulturbetriebs – Festivalorganisatoren, Künstler und Künstleragenturen – immer wieder vor große Herausforderungen. Wie sie diesen Unsicherheiten begegnen, haben uns stellvertretend Projektmanager Malte Dierßen und Künstlermanagerin Maike Fuchs im Interview verraten.

Im Gespräch: Projektmanager Malte Dierßen

Malte Dierßen arbeitet seit rund drei Jahren als Projektmanager für die Niedersächsischen Musiktage. Im Interview spricht er darüber, wie sich seine Arbeit durch Corona verändert hat, mit welchen Szenarien das Organisationsteam plant und was das Publikum von den diesjährigen Musiktagen erwarten kann.

Künstlermanagerin Maike Fuchs im Interview

Als Künstlermanagerin macht sie sonst „das Unmögliche möglich“, jetzt fühlt sie sich gegenüber der Corona-Pandemie oft machtlos: Maike Fuchs berichtet von ihrem derzeitigen Berufsalltag zwischen Quarantänebestimmungen, Planungsunsicherheiten und der Hoffnung auf Live-Konzerte.

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Rückblick Festivalsaison 2020

Sonderkonzert Atemübungen

Mit dem Sonderkonzert „Atemübungen“, das am 20. Oktober 2020 in der Christuskirche Hannover kurz vor Beginn des zweiten Lockdowns stattfand, haben sich die Niedersächsischen Musiktage mit der derzeitigen Situation künstlerisch auseinander gesetzt und zumindest einigen Künstlern in dieser stillen Zeit eine Stimme geben können. So konnten wir das Duo Kinan Azmeh und Florian Weber wie auch die Weltklasse-Bratscherin Tabea Zimmermann für das Konzert gewinnen. Eigens für den NDR Chor, der auch stellvertretend für die vielen im Lockdown zum Schweigen verdammten Vokalensembles steht, entstand die Auftragskomposition „Atem Geist Leben“ von Thomas Cornelius. Das Bläserensemble Capella de la Torre präsentierte gemeinsam mit Karateka Mauricio Castrucci Auszüge aus dem Projekt „Dimensions“ – und geben damit auch einen kleinen Vorgeschmack auf unsere Festivalsaison 2021!

Festivals aufm Platz

Als „Festivals aufm Platz“ waren die Niedersächsischen Musiktage gemeinsam mit dem Literaturfest Niedersachsen im September 2020 auf öffentlichen Plätzen in Niedersachsen unterwegs. Open Air und mit einer dramaturgisch durchchoreographierten Verschränkung von Musik und Literatur hatten die Festivals an insgesamt 18 Stationen in Niedersachsen Halt gemacht. Eine mobile Trailerbühne bot an jedem Wochenende Musikern und Schauspielern das Podium für jeweils unterschiedliche Programme mit BartolomeyBittmann, Johann von Bülow, Kinan Azmeh, Florian Weber und Bas Böttcher.

Auf Sarah Maria Sun & The Gurks mit ihrem Programm „Killer Instincts“ und den Schlagwerker Christoph Sietzen, die bei den Festivals aufm Platz ebenfalls dabei waren, können wir uns in der Festivalsaison 2021 noch einmal freuen!

Festivalfotos 2020: Festivals aufm Platz

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