Hörprobe

Die New York Times nannte ihn jüngst einen grenzenlosen Künstler: Die Rede ist von dem israelischen Jazzpianisten Omer Klein. Mit seinen Trio-Partnern Haggai Cohen-Milo und Amir Bresler spielt er eine stilistisch vielfältige Improvisationsmusik, in der sich die drei Musiker einerseits intuitiv aufeinander verlassen, andererseits aber nichts dem Zufall überlassen. Vor allem nicht die gedankliche Durchdringung ihrer Musik.

Wenn Omer Klein Musik macht, begibt er sich in Denkräume. So auch bei seinem jüngsten Album „Sleepwalkers“, zu dem er sagt: „Die Idee von ,Raum‘ ist zentral in meinem neuen Album. Zum einen geht es darin um Hegels Theorie, dass es das Ziel von Kunst sei, zu offenbaren, was hinter der Realität liegt, die wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Der Künstler, in diesem Fall der Musiker, versucht, hinter die Kulissen zu schauen – Geheimnisse zu lüften, zu denen man ansonsten nur schwer oder gar keinen Zugang erhält. So ist der Raum, wie wir ihn erfahren, nur eine Möglichkeit: Es gibt noch viele andere Räume, und die Kunst kann uns im besten Fall dort hinbringen – oder uns zumindest den Weg dorthin zeigen. Sleepwalkers hat aber auch eine gesellschaftliche Komponente: Es geht darüber hinaus darum, wie wir Technologie benutzen – oder sollte ich besser sagen, wie die Technologie uns benutzt? Immer öfter ertappen wir uns dabei, wie wir nach unten schauen, beschäftigt mit unserem Smartphone oder anderen Geräten. Hier ist mein Album eine Aufforderung an uns aufzuwachen. Unsere Augen von dem virtuellen Raum, der sie anzieht, zu erheben und um uns zu blicken – uns gegenseitig zu betrachten, oder einen Baum, oder uns selbst. Das ist unser Raum.“

Die Stilistik seines Trios, das fast ausschließlich eigene Kompositionen spielt, ist geprägt von Anklängen an Komponisten der Romantik. Sie sind aber nicht dominant, denn ebenso kann man singbare, teils folkloreartigen Melodien und natürlich Jazz US-amerikanischer, aber auch europäischer Prägung entdecken. Und seine atemberaubende pianistische Motorik setzt Omer Klein gern auch für Gestaltungsmerkmale der Minimal Music ein.

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Das Kulturforum St. Michael bietet sowohl von der äußeren Kirchen-Architektur als auch von der inneren Ausstattung eine einzigartige Kulisse. Die ehemalige Kirche wurde zum Ort für Musik, Theater, Tanz, Literatur und künstlerische Aktionen, für multikulturelle Begegnung und Dialoge.