Aus dem Lot

clair-obscur (Saxophonquartett)
Sa 02.09., 16.00 Uhr – 17.00 Uhr
Felix-Nussbaum-Haus
Lotter Str. 2
49078 Osnabrück
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€ 12 - 17

Hörprobe

Das Eröffnungswochenende der 31. Niedersächsischen Musiktage hat seinen Auftakt in einem der markantesten Gebäude Osnabrücks, dessen Architektur das Thema „Raum“ auf besonders eindringliche Weise vermittelt: im Felix-Nussbaum-Haus. Dort, wo das bildnerische Werk Nussbaums seit 1998 einen würdigen Ort gefunden hat, spielt das Saxophonquartett clair-obscur Musik von Hindemith, Eisler und Strawinsky.


Im Felix-Nussbaum-Haus, das der weltbekannte jüdisch-amerikanische Architekt Daniel Libeskind entwarf, werden seit 1998 die Bilder des Malers Felix Nussbaum ausgestellt.

Nussbaum wurde 1904 in eine jüdische Kaufmannsfamilie in Osnabrück geboren. Nach dem Kunststudium in Berlin erhielt Nussbaum 1932 ein Stipendium für die Deutsche Akademie in Rom in der Villa Massimo. Dort erreichte ihn die Nachricht von der nationalsozialistischen Machtübernahme. Er kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück,  sondern war von da an ständig auf Reisen; dabei führte er stets, eingerollt in seinem Gepäck, all seine Bilder mit sich. Nussbaum emigrierte 1935 über Frankreich nach Belgien, wo er nach dem Einmarsch der Nazis und nach seiner Flucht aus dem Internierungslager bei einem befreundeten Kunsthändler untertauchte. Im Versteck entstanden Bilder, die sich mit der Lagererfahrung und mit Angst, Verzweiflung und der drohenden Verhaftung beschäftigen. Am 20. Juni 1944 wurde Nussbaum aufgrund einer Denunziation verhaftet, wenig später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. In dem Museum, das an den verfolgten Künstler erinnert, erklingen nun Kompositionen von Paul Hindemith, Hanns Eisler und Igor Strawinsky – alle drei Komponisten sind Zeitgenossen von Nussbaum, und wie er sind alle drei emigriert.

Das clair-obscur Saxophonquartett hat Werke ausgewählt, die die Themen Krieg und Militarismus aufnehmen, ihnen dabei aber einen ironischen Dreh versetzen: In seinem Repertorium für Militärmusik „Minimax“ parodiert Hindemith Musikstücke, wie er sie als Militärmusiker nur allzu gut kannte. Strawinskys „Circus Polka: For a Young Elephant“ wurde tatsächlich im Auftrag eines Zirkus für eine Elefantenshow geschrieben, enthält aber unter anderem auch ein Zitat aus Schuberts „Militärmarsch“.


Das Felix-Nussbaum-Haus

Der Architekt Daniel Libeskind, der ein außerordentlich begabter Musiker ist und zunächst eine Karriere als Akkordeonist anstrebte, komponiert gleichsam seine Entwürfe.

Libeskind bezeichnet das Felix-Nussbaum-Haus als „Museum ohne Ausgang“ – und genau daher rührt die Verunsicherung, die man dort empfindet, noch verstärkt durch leicht ansteigende oder abfallende Fußböden, Fenster ohne rechten Winkel oder transparente Geschossdecken.

Diese Gestaltungsmittel stehen symbolisch für das Leben und Werk Felix Nussbaums, das von ständiger Bewegung und zunehmender Orientierungslosigkeit geprägt war, und sie versuchen, „das Leben und das Werk Felix Nussbaums zu verräumlichen“, so Libeskind zu seinem Entwurf.

Das Konzept überzeugte die Jury eines internationalen Wettbewerbs, den die Stadt Osnabrück 1994 auslobte und bei dem sich Libeskind gegen 295 Mitbewerber durchsetzte. Es ist sein erstes bekanntes Bauwerk – parallel entstand nach seinen Entwürfen das Jüdische Museum in Berlin. Das Felix-Nussbaum-Haus wurde am 16. Juli 1998 vom Architekten persönlich eröffnet.

Programminfomation als PDF

Programm

Paul Hindemith: Repertorium für Militärmusik "Minimax"

Hanns Eisler: Suite für Orchester Nr. 6

Igor Strawinsky: Circus Polka: For a Young Elephant

Mit seiner aufsehenerregenden Architektur von Daniel Libeskind bildet das Felix-Nussbaum-Haus gemeinsam mit dem neoklassizistischen Bau des Kulturgeschichtlichen Museums, der großbürgerlichen Villa Schlikker und dem Akzisehaus das Osnabrücker Museumsquartier. Das Felix-Nussbaum-Haus besitzt mit über 200 Werken die größte Sammlung des in Osnabrück geborenen und von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Malers Felix Nussbaum und bringt seine Werke in Dialog mit zeitgenössischen Positionen. Das Kulturgeschichtliche Museum präsentiert neben der Osnabrücker Stadtgeschichte von Bürgern gestiftete Sammlungen, u.a. Dürer-Grafiken und niederländische Meister des 16./17. Jahrhunderts.