Petrarca – Romantische Musik zur Liebeslyrik
Petrarca und Michelangelo wählten das Sonett als Verpackung für intime Botschaften. Franz Liszt und Hugo Wolf verpackten sie ein zweites Mal –heraus kam tiefgründigste Liedkunst. Zu erleben mit Konstantin Wolff und Trung Sam auf Niedersachsens größtem Musikfestival.
Am 6. April 1327 soll Francesco Petrarca der Frau begegnet sein, die ihn zu einem unsterblichen Dichter werden ließ – sie hieß Laura. Obwohl niemand genau weiß, ob es sie je gegeben hat, wurde Laura zur treibenden Kraft in seinem Schaffen. Die Gedichtsammlung »Il canzoniere« ist eine gewaltige Liebeserklärung an die »madonna angelicata« – 263 Gedichte sind der lebenden, 103 der verstorbenen Laura gewidmet. Gut fünfhundert Jahre später entdeckte Franz Liszt Petrarcas Sonette für sich. Er schrieb drei schwärmerische Klavierlieder und setzte damit Petrarca und der Liebe zu Laura ein musikalisches Denkmal.
Auch Hugo Wolf, der wohl genialste Liedschöpfer des ausgehenden 19. Jahrhunderts, kam am Ende seines Lebens zum Sonett. Auch er vertonte drei »Liebestexte«, gab seinen Liedern aber, anders als Liszt in seinen üppigen »Petrarca-Sonetten«, eine düstere, tief nachdenkliche Stimmung. Mit seinen »Michelangelo-Liedern« erschloss er dem Kunstlied neue Ausdruckswelten, die auch heute noch verstörend kühn klingen.
Die »Michelangelo-Lieder« gehören ins Repertoire jedes Bass-Baritons. Auch Konstantin Wolff und sein Klavierpartner Trung Sam haben sich intensiv mit ihnen auseinander gesetzt. Bei den Niedersächsischen Musiktagen stellt das aufstrebende Lied-Duo den ernsten Sonett-Vertonungen von Liszt und Wolf einen heiteren zweiten Teil mit Liedern nach Texten von Shakespeare und Hafis gegenüber.
Das schier unerschöpfliche Thema »Die Liebe« steht im Zentrum der 20. Niedersächsischen Musiktage. Vier Wochen lang begibt sich Niedersachsens größtes Musikfestival in 70 Konzerten auf die facettenreichen Spuren der Liebe – quer durch alle Epochen und Genres.
Karten und Informationen: www.musiktage.de und Hotline 0511/360 33 33.
Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.
Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.
Konzerttermin:
19.09.2006, 13 Uhr, Sparkassen-Forum am Schiffgraben, Hannover
Programm:
Hugo Wolf (1860–1903)
Drei Gedichte von Michelangelo (1897)
. Wohl denk ich oft
. Alles endet, was entstehet
. Fühlt meine Seele
Franz Liszt (1811–1886)
Tre sonetti di Petrarca, S 270 (1838/39)
. Benedetto sia ‘l giorno
. Pace non trovo
. I’ vidi in terra angelici costumi
Francis Poulenc (1899–1963)
Chansons gaillardes (1925/26)
. La maîtresse volage
. Chanson à boire
. Madrigal
. Invocation aux Parques
. Couplets bachiques
. L’offrande
. La belle jeunesse
. Sérénade
Viktor Ullmann (1898–1944)
Liederbuch des Hafis, op. 30 (1940)
. Vorausbestimmung
. Betrunken
. Unwiderstehliche Schönheit
. Lob des Weines