»Die Triumphirende Liebe«
1653 wurde im Celler Schloss mit einem pompösen Hofballett Hochzeit gehalten – nicht nur zum Vergnügen, sondern auch zur moralischen Belehrung der Frischvermählten. Beim Eröffnungskonzert der Niedersächsischen Musiktage ist das Spektakel »Die Triumphirende Liebe«nach 353 Jahren erstmals wieder zu erleben.
1653 heiratete Christian Ludwig, der Herzog von Celle, die 17-jährige Dorothea von Holstein-Glücksburg. Eigens für die Hochzeitsfeierlichkeiten schuf der Dichterpfarrer Johannes Rist »Die Triumphirende Liebe«, das erste deutsche »Ballet de cour« (ein Hofballett nach französischem Vorbild), bestehend aus Tanz, Gesang, Schauspiel und Instrumentalsätzen. Zweck dieses opulenten Miniatur-Welttheaters in 17 Bildern war es, den Frischvermählten anhand ausführlicher – und bisweilen recht plakativer – Schilderungen von Tugenden und Lastern einen ethischen Leitfaden an die Hand zu geben. Getanzt wurde das Ballett von den männlichen Mitgliedern der Hochzeitsgesellschaft – die überlieferte Tanzliste liest sich wie das Who’s who des niedersächsischen Uradels.
Das Material der »Triumphirenden Liebe« ist weitgehend verschollen. Die Niedersächsischen Musiktage beauftragten einen der kreativsten Schatzgräber der Alte Musik-Szene, den Cembalisten, Dirigenten und Musikforscher Ludger Rémy, eine kritische Neufassung des musikhistorisch bedeutsamen Werks für das Eröffnungskonzert im Celler Schlosstheater zu erstellen. Bei seiner Suche nach passenden Musiken und Texten stieß Rémy auf die »Glückwünschende Freudendarstellung« der Herzogin Sophie Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel. Das Werk gibt ästhetisch und inhaltlich eine sinnvolle Ergänzung zur »Triumphirenden Liebe«. Gemeinsam mit dem ehemaligen Braunschweiger Ballettdirektor Pierre Wyss erstellte Ludger Rémy aus beiden Stoffen eine Neufassung, die Musik, Tanz und Rezitationen zu einer spannungsvollen Gesamtdramaturgie verknüpft. Mit dabei sind Les Amis de Philippe, das Ensemble Zeitgeist (Einstudierung Ilona Harf) aus Celle, moderne Tänzer und die Nachfahren der Adelsfamilien, die an der Uraufführung vor 353 Jahren mitwirkten – ein königliches Vergnügen zum Auftakt der Niedersächsischen Musiktage.
Das schier unerschöpfliche Thema »Die Liebe« steht im Zentrum der 20. Niedersächsischen Musiktage. Vier Wochen lang begibt sich Niedersachsens größtes Musikfestival in 70 Konzerten auf die facettenreichen Spuren der Liebe – quer durch alle Epochen und Genres.
Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.
Karten und Informationen: www.musiktage.de und Hotline 0511/360 33 33.
Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.
Konzerttermine:
02.09.2006, 17.00 Uhr, Schloss Celle – öffentliche Generalprobe
03.09.2006, 17.00 Uhr, Schloss Celle – Eröffnung der Niedersächsischen Musiktage
Programm:
»Die Triumphirende Liebe«
. Konzept: Ludger Rémy, Michael Becker
. Choreographie: Pierre Wyss
. Einstudierung: Ilona Harf
. Mitwirkende:
Les Amis de Philippe (Leitung: Ludger Rémy)
Ensemble Zeitgeist