Ein Kammerspiel über Liebe und Eifersucht
Martina Gedeck, Stephan Imorde und Ulf Schneider präsentieren »Die triumphierende Liebe«– ein Programm zwischen Wort und Musik.
Die heute fast vergessene Sängerin Pauline Viardot-Garcia gehörte zu den schillerndsten und emanzipiertesten Frauengestalten des 19. Jahrhunderts: Sie komponierte, brillierte am Flügel, widmete sich der Malerei und führte einen illustren Salon. Liszt gab ihr Klavierunterricht, Chopin, George Sand, Berlioz und Delacroix gingen bei ihr ein und aus.
Darüber hinaus wurde der Haushalt der Viardots zum Schauplatz von zwei unerfüllten, aber künstlerisch produktiven Liebesgeschichten, deren Verflechtungen das Musiktage-Programm mit der Schauspielerin Martina Gedeck, dem Geiger Ulf Schneider und dem Pianisten Stephan Imorde eingehend unter die Lupe nimmt.
Der russische Schriftsteller Iwan Turgenjew verbrachte fast sein ganzes Leben im Haus der Viardots. Dort wurde er Zeuge der Liebe des jungen Gabriel Fauré zu Marianne Viardot, der ältesten Tochter der Familie. Nach fünf glücklichen Jahren kam es zur Verlobung, die allerdings auf Bitten des Mädchens nach wenigen Wochen wieder gelöst wurde. Faurés tiefe Enttäuschung floss in seine leidenschaftlich zupackende erste Violinsonate ein. Sie ist dem Bruder Mariannes, dem Geiger Paul Viardot, gewidmet.
Unter dem Eindruck dieser und seiner eigenen unglücklichen Liebe zu Pauline schrieb Iwan Turgenjew »Das Lied der triumphierenden Liebe« – die Geschichte einer Frau, die sich zwischen zwei Verehrern entscheiden muss. Der Abgewiesene geht in den Orient und kehrt nach 10 Jahren mit einer wundersamen Geige zurück, deren betörender Klang die Geliebte doch noch umstimmen soll.
Lebendig wird diese Zaubergeige in Ernest Chaussons Turgenjew-inspiriertem Bravourstück »Poème de l’amour triomphant«, das das spannende Programm zwischen Wort und Musik stimmungsvoll abrundet – ein Abend für Literaturliebhaber und Kammermusikfreunde und eine seltene Gelegenheit, Martina Gedeck als exzellente Rezitatorin »hautnah« im Konzertsaal zu erleben.
Das schier unerschöpfliche Thema »Die Liebe« steht im Zentrum der 20. Niedersächsischen Musiktage. Vier Wochen lang begibt sich Niedersachsens größtes Musikfestival in 70 Konzerten auf die facettenreichen Spuren der Liebe – quer durch alle Epochen und Genres.
Karten und Informationen: www.musiktage.de und Hotline 0511/360 33 33.
Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.
Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.
Konzerttermine:
29.09.2006, 19.30 Uhr, Rathaussaal, Stade
30.09.2006, 19.30 Uhr, KASCH, Kulturzentrum Alter Schützenhof, Achim
Programm:
Pauline Viardot-Garcia (1821–1910)
Sonatine a-Moll für Violine und Klavier (1874)
. Adagio
. Scherzo-Allegro
. Allegro
Gabriel Fauré (1845–1924)
Sonate A-Dur op. 13 für Violine und Klavier (1875/76)
. Allegro molto
. Andante
. Scherzo: Allegro
. Finale: Allegro quasi presto
Pause
Iwan Turgenjew (1818–1883)
. Das Lied der triumphierenden Liebe, Erzählung (1879/1881)
Amédée-Ernest Chausson (1855–1899)
Poème op. 25 für Violine und Orchester (1896)
. Lento misterioso