Verbotene Liebe
Die Harmoniemusik holte die große Oper in kleiner Bläserbesetzung an die frische Luft – ein musikalischer Spaß der Mozartzeit bei den Niedersächsischen Musiktagen mit dem Da Ponte Oktett.
In Shakespeares Drama nimmt es ein tragisches Ende mit Romeo und Julia. Und trotzdem – oder gerade deshalb – wurden sie unsterblich. Auch Gershwins »Porgy and Bess« und Beethovens »Fidelio« sind weltberühmte Liebesgeschichten. Nur Hector Berlioz’ »Beatrice et Benedict« haben keine so glanzvolle Karriere gemacht – vielleicht, weil sie Antihelden sind?
So manches dieser berühmten Paare kam in der Musikgeschichte zu hohen Ehren. Gewöhnlich trifft man sie im Konzertsaal oder in der Oper. Bei den Niedersächsischen Musiktagen werfen sie sich ausnahmsweise in ein luftig-leichtes Klangkostüm – das Da Ponte Oktett bedient sich der im 17. Jahrhundert populären Kunstform der »Harmoniemusik« und präsentiert große Opern in intimer Bläserbesetzung.
Seit jeher fordern Liebesgeschichten die Kreativität zahlloser Komponisten heraus. Die mit Abstand berühmtesten Liebenden der Weltgeschichte, Romeo und Julia, begegnen uns nicht nur in Charles Gounods relativ selten gespielter Oper »Roméo et Juliette«, sondern auch in den drei populären Orchestersuiten zu Sergej Prokofieffs großem Shakespeare-Ballett.
George Gershwins »Porgy and Bess« zählen zu den Wiedergängern von Romeo und Julia – in einer anderen Zeit und einem anderen Milieu zwar, aber die Umstände ihrer bedingungslosen Liebe sind nicht minder tragisch. Erzählt wird die Geschichte vom schwarzen Krüppel Porgy, der im Ghetto von Charleston als Bettler sein Dasein fristet und aus Liebe zur Mörderbraut Bess selbst zum Mörder wird. Auch in Beethovens einziger Oper »Fidelio oder die eheliche Treue« fordert die Liebe höchsten Einsatz: Leonore wird zu Fidelio, um Florestan todesmutig aus dem Kerker zu befreien.
Ein Kuriosum ist Hector Berlioz’ Fassung von Shakespeares »Viel Lärm um nichts«: Der Komponist schiebt die eigentlichen Protagonisten, Claudio und Hero, frech in den Hintergrund und erhebt die zänkischen Nebenfiguren »Beatrice et Benedict« zum (Anti-)
Heldenpaar seiner Opernkomödie.
Das schier unerschöpfliche Thema »Die Liebe« steht im Zentrum der 20. Niedersächsischen Musiktage. Vier Wochen lang begibt sich Niedersachsens größtes Musikfestival in 70 Konzerten auf die facettenreichen Spuren der Liebe – quer durch alle Epochen und Genres.
Karten und Informationen: www.musiktage.de und Hotline 0511/360 33 33.
Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.
Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.
Konzerttermine:
27.09.2006, 19.30 Uhr, Kulturzentrum Martinskirche, Hoya
28.09.2006, 19 Uhr, St. Marien-Kirche Hämelschenburg, Emmerthal
29.09.2006, 19 Uhr, St. Nicolai- und Catharinen-Kirche, Wahrenholz
Programm:
Hector Berlioz (1803–1869)
Ouvertüre zu »Béatrice et Bénédict«, Komische Oper in zwei Akten
arrangiert für Bläsernonett von Andreas N. Tarkmann
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
"Fidelio« op.72, Oper in zwei Akten
Harmoniemusik zum 1. Akt für Bläseroktett von Wenzel Sedlak (1815)
PAUSE
Serge Prokofieff (1891–1953)
Suite zu »Romeo und Julia« op. 64a
arrangiert für Bläseroktett von Andreas N. Tarkmann (1985/86)
George Gershwin (1898–1937)
Scenes from »Porgy and Bess«, Oper in drei Akten (1924/35)
arrangiert für Bläseroktett von Andrew Skirrow