15.07.2005
Ganz leise kommt die Nacht...Der Schlager zwischen den Kriegen
Ulrich Tukur und Die Rhythmus Boys bei den Niedersächsischen Musiktagen
War der Schlager Hitlers »Autobahn für die Ohren«, bereitete er die Deutschen auf den Krieg vor? Ulrich Tukur und Die Rhythmus Boys untersuchen diese These in einem Abend zwischen Hollaender und Grothe. Und der zeigt: Auch Schlager haben vor dem Krieg gewarnt.
Einmal im Jahr wechselt er vom ernsten Fach zur leichten Muse: Ulrich Tukur, der mit Regisseuren wie Peter Zadek (Die Nacht des Leguan) und Steven Soderbergh (Solaris) für Bühne, Film und Fernsehen arbeitet, ist einem Millionenpublikum als Andreas Bader, Herbert Wehner oder Dietrich Bonhoeffer bekannt. Der Grimme-Preis und die Goldene Kamera zählen zu seinen Auszeichnungen. Mit seinen "Rhythmus Boys" widmet sich der Wahl-Venezianer der Vertonung ausgegrabener Raritäten der 20er bis 50er Jahre. Mit Produktionen wie »Meine Sehnsucht ist die Strandbar«, »Wunderbar, dabei zu sein« oder »Morphium« schlagen die vier Musiker eine Brücke in die »gute, alte Zeit« und gewinnen ihr viel Gegenwart ab durch die Einwebung von Eigenkompositionen »explosiv retrograder Modernität" (Tukur).
Die Kapelle ist schon zu Lebzeiten legendär besetzt: Günter Märtens ist seit 1977 in unterhaltenden Berufen tätig und mit 2,06 Metern gilt er als vermutlich größter Kontrabassist Europas. Der halb-ausgebildete Theologe Kalle Mews gilt mit einer Körpergröße von 1,59 Metern als vermutlich kleinster, aber gefährlichster Schlagzeuger des Ruhrgebiets. Und der ausgebildete Journalist Ulrich Mayer schuf gemeinsam mit Ulrich Tukur frühe Vertonungen lyrischer Liebesgedichte ("Warum nur hast du den Hamster an die Wand genagelt ?"). Mit einem Verbrauch von 150ml Haargel der Marke "Budnikowski" pro Auftritt gilt er zudem als fettigster Gitarrist Baden-Württembergs.
»Krieg und Frieden« ist das Thema der 19. Niedersächsischen Musiktage - 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach wie vor hoch aktuell. Vier Wochen lang macht sich Niedersachsens größtes Musikfestival in über 70 Konzerten auf die Suche nach Krieg und Frieden in allen Epochen und Genres. Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.
Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.