15.07.2005
Hannover als idealer Ort
»Hiroshima Project« startet in Herrenhausen
Beim Finale der Niedersächsischen Musiktage kommt es zur Begegnung zweier Jungstars der internationalen Jazzszene: Nils Wogram, immer noch erst 33 Jahre alt, gebürtiger Braunschweiger und Weltklasse-Posaunist, trifft Masataka Hirano. Der 35jährige Japaner gilt in seiner Heimat als einer der innovativsten Künstler. Er ist Saxophonist, Improvisator, Komponist und ein hervorragender Klassik-Interpret. Im Saxophon-Mutterland erhielt er die hohen Weihen am Pariser Conservatoire National, gewann erste Preise für sein Solospiel, Kammermusik und Improvisation. Heute unterrichtet Hirano neben seiner Solistentätigkeit an der Nationalen Universität der Künste in Tokio.
Die Begegnung zwischen Wogram und Hirano - zusammen mit Simon Nabatov (Klavier), Christian Weber (Bass) und Chihoko Zeisberg-Nakata (Rezitation) ist eine Premiere. Hirano erhielt von den Musiktagen einen Kompositionsauftrag für das »Hiroshima Project«. Diese »Musik zu einer Tragödie« ist für Hannover von besonderer Bedeutung: Seit 1983 sind die Landeshauptstadt und Hiroshima Partnerstädte. Großen Wert legen beide Städte dabei auf die Erinnerung an die Katastrophen der Weltkriege.
»Hannover gilt außerdem seit langem als eine führende Jazzstadt in Deutschland. Es gibt daher keinen Ort, an dem dieses Projekt besser aufgehoben wäre«, sagt Festival-Intendant Michael Becker. Die Zusammenarbeit mit IPPNW-Concerts ist ein weiteres Zeichen für die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema: Die »Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges« sind nicht nur Friedensnobelpreisträger, sie veranstalten regelmäßig Konzerte mit der ganz klaren Botschaft: Nie wieder Hiroshima! Mit Sängerin und Schauspielerin Chihoko Zeisberg-Nakata wird eine Bürgerin von Hiroshima am Projekt mitwirken.
In der ersten Konzerthälfte erklingt Musik von Count Basie. Michael Becker gesteht einen musikalischen Bruch, hält den aber für sehr wirkungsvoll. Mit »Atomic Basie« erschien 1957 eine der genialsten Schallplatten der Jazzgeschichte. »Sie zeigt aber auch, mit was für einer Gleichgültigkeit und Geschmacklosigkeit man zu jener Zeit mit den noch sehr präsenten Ereignissen in Japan umging: Da werden fröhlich E=mc2 und ein Atompilz als Metaphern für gute Musik verkauft.«, so Becker.
»Krieg und Frieden« ist das Thema der 19. Niedersächsischen Musiktage - 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach wie vor hoch aktuell. Vier Wochen lang macht sich Niedersachsens größtes Musikfestival in über 70 Konzerten auf die Suche nach Krieg und Frieden in allen Epochen und Genres. Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.
Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.