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freiheit1. - 30. September 2012
 

15.07.2005

In Zeiten des Krieges
Frankreichs Vokalsensation Poème Harmonique bei den Niedersächsischen Musiktagen

Während sich der 30-jährige Krieg in das kulturelle Gedächtnis als endlose Kette von Metzeleien und Verwüstungen eingegraben hat, ist der kühle Blick des Historikers differenzierter: Eine Stadt wie Magdeburg wurde bis auf wenige Häuser zerstört, gleichzeitig stieg aber etwa Hamburg zur reichsten Stadt des Landes auf.

Ebenso vielfältig wie die Geschehnisse selbst waren die Reaktionen der Musiker. Da gibt es einerseits einen Komponisten wie Samuel Scheidt, der mitten im vom Krieg schwer heimgesuchten Halle unbeirrt ein umfangreiches Œuvre schuf. Oder Heinrich Albert, der mit seinen zwischen Todesmystik und Hoffnung auf Erlösung schwankenden Arien so genau den Nerv der Zeit traf, dass er sich zeitlebens gegen eine Vielzahl von Raubdrucken zur Wehr setzen musste. Oder einen jungen Wilden wie den Neapolitaner Andrea Falconieri, für den der Krieg zum Anlass eines effektvoll-unterhaltsamen musikalischen Schlachtgemäldes wird.

Im Laufe der Jahrhunderte sind zudem viele, einstmals zu Recht hochberühmte Werke aus der Zeit des 30-jährigen Krieges in völlige Vergessenheit geraten. Hierher gehören die kraftvoll dramatische Trauermusik auf den Tod Gustav Adolfs II. von Schweden, die ihren Komponisten Luigi Rossi mit einem Schlag europaweit bekannt machte, die in leuchtenden Harmonien schwelgende Motette Mirabile misterium von Jacobus Gallus oder die bewegende Bitte um Frieden In pace in idipsum Guillaume Bouzignacs.

Das superbe Ensemble Le Poème Harmonique, dem die Musiktage dieses einzigartige Programm verdanken, vereinigt unangefochtene technische Perfektion mit einer Spontaneität des Musizierens, die jedes seiner Konzerte zu einem einmaligen Ereignis werden lässt.

»Krieg und Frieden« ist das Thema der 19. Niedersächsischen Musiktage -60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach wie vor hoch aktuell. Vier Wochen lang macht sich Niedersachsens größtes Musikfestival in über 70 Konzerten auf die Suche nach Krieg und Frieden in allen Epochen und Genres. Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.

Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.