15.07.2005
Entmilitarisierte Zonen
hr-brass bei den Niedersächsischen Musiktagen
Der Komponist Mauricio Kagel beschreibt die Problematik der Marschmusik mit treffenden Worten:
»Kann man Genuss an einem Genre haben, dessen auslösender Effekt nur als zweifelhaft bezeichnet werden kann? (...) Dass die akustischen Werkzeuge unserer Zunft hier waffenähnliche Aufputschmittel sind, wird geflissentlich, weil die Wirkung ungefährlich erscheint, verschwiegen.«
Kagel begegnet dieser Schwierigkeit der Marschmusik durch die Parodie. So entstanden unzählige skurril verzerrte Märsche, nach denen es sich garantiert nicht im Gleichschritt marschieren lässt. Nicht umsonst steht das Programm von hr-brass, den Blechbläsern des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt unter dem Titel »Entmilitarisierte Zonen«. Nicht militärischer Natur sind auch die Trauermärsche, die rühren und betroffen machen sollen. Auf einem anderen Blatt stehen die wahrhaft patriotischen Märsche, unter denen sich Meisterwerke finden wie die Kompositionen Beethovens oder der Superhit der Marschmusik, der Radetzkymarsch. Und dann gibt es noch Werke, die man so gar nicht in einem Marschmusikprogramm erwartet...
»Krieg und Frieden« ist das Thema der 19. Niedersächsischen Musiktage - 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach wie vor hoch aktuell. Vier Wochen lang macht sich Niedersachsens größtes Musikfestival in über 70 Konzerten auf die Suche nach Krieg und Frieden in allen Epochen und Genres. Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.
Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.