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freiheit1. - 30. September 2012
 

15.07.2005

»Krieg und Frieden« in Kostümen
Celeste Sirene bei den Niedersächsischen Musiktagen

»Ich bin weder Meister der Beredsamkeit noch der Musik, jedoch liebe ich die feinen Sinne und habe eine Vorliebe für Harmonien; mein Beruf und meine Erziehung galten nämlich den Waffen, und die einzige weiche Seite meiner selbst war stets die Musik«, so beschreibt Tobias Hume die zwei Seelen in seiner Brust. Der exzentrische englische Komponist verdiente sich seinen Lebensunterhalt nämlich nicht mit seiner Kunst - er war leidenschaftlicher Gambenspieler -, sondern als Soldat und Söldner.

Mit seinen beiden Sammlungen »Captain Humes Musicall Humors« und »Captain Humes Poeticall Musicke« schuf Hume einen ganzen musikalischen Kosmos vielfältigster Stimmungen und Ideen. Titel wie »Death«, »Life«, »Captain Humes Lamentations« und »Loves Farewell« sind genauso zu finden wie »Tobacco« - ein Loblied auf den Tabak - oder »Lesson for two to play upon one Viole«, in dem ein Musiker auf dem Schoß des anderen sitzt und beide auf nur einer Gambe spielen. Auch seine Erfahrungen als Soldat verarbeitet Hume: »Souldiers Resolution« beschreibt eine Schlacht vom Aufmarsch bis zum Rückzug der Kämpfenden.

Demgegenüber hatte John Dowland, der englische Orpheus mit der Laute, das Glück, von seiner Kunst leben zu können. Dennoch war er Melancholiker: In seinen bedeutendsten Werken geben sich Dunkelheit, Trauer und Todessehnsucht die Hand.

Diese beiden so unterschiedlichen Künstler stehen im Mittelpunkt des Konzertes des Ensembles Celeste Sirene, dessen Anliegen es ist, historische Aufführungspraxis nicht nur auf die Wahl der Instrumente, die Spielweise und den Gesangsstil zu beziehen, sondern das barocke Prinzip des Gesamtkunstwerkes durch die Kombination mit Gestik, Kostüm und Ambiente wieder zu beleben. Ein farbiger Abend auf den Niedersächsischen Musiktagen.

»Krieg und Frieden« ist das Thema der 19. Niedersächsischen Musiktage - 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach wie vor hoch aktuell. Vier Wochen lang macht sich Niedersachsens größtes Musikfestival in über 70 Konzerten auf die Suche nach Krieg und Frieden in allen Epochen und Genres. Die Niedersächsischen Musiktage werden veranstaltet von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Kulturstiftung der niedersächsischen Sparkassen.

Auch in diesem Jahr wird der NDR als Medienpartner der Niedersächsischen Musiktage über das Festival in den Programmen NDR Kultur, NDR 1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen berichten.