Mit dem Pferd zum Ordnungsamt Don Quixote, Liebling der Musiker
Er lebt – seit 387 Jahren: Wer heute die Aussichtslosigkeit einer Unternehmung irgendwo im Feld zwischen Ordnungsamt und Castor-Transport beschreiben will, der spricht vom »Kampf gegen Windmühlenflügel« - und erweckt damit mitten in unserer Zivilisation für einen Augenblick den größten Antihelden der Weltliteratur zum Leben: Die Statur lang und dürr, sein Gesicht »gelbbraun gedörrt« und die Nase – »diese Nase...«. Don Quixote de la Mancha, der Ritter von der traurigen Gestalt, der Antiheld, der »Loser« des spanischen Frühbarock, ist bis heute ein Vorbild, zumindest wenn wir einen suchen, dem es noch schlechter geht als uns...
Miguel de Cervantes schuf den »Roman aller Romane« mitten zwischen den Heldenepen seiner Zeit. Und er berührte damit den Nerv seiner Zeit. Man hatte genug von den Rüstungen und Supermännern. Und Quixote bleibt nicht allein. Simplicius Simplicissimus und der hundert Jahre jüngere Candide sind Brüder im Geiste. Doch keiner von ihnen hat es so weit gebracht wie Don Q., dem schon zu Lebzeiten seines Schöpfers die ersten und bis heute hunderte von Denkmälern gesetzt wurden. Ob Daumier oder Picasso, Richard Strauss oder Aulis Salinen – Don Quixote hat Künstler aller Genres inspiriert, im Barock gleich im Dutzend.
»Der irrende Ritter und sein Diener« lautet das Programm des Barockensembles La Ricordanza auf den Niedersächsischen Musiktagen. Fünf Mal Don »Quixote«, »Quichotte«, »Chisciotte« bieten die sieben Musiker des deutsch-englischen Spezialensembles. Telemann, Förtsch, Conti, Philidor und Boismortier lassen den Ritter und seinen gutmütigen Sancho Pansa durch Ballettsuiten und Sonaten reiten.