Pudelmütze auf dem Klassik-Festival?
Gute Gründe für Hip Hop auf den Musiktagen
Nico Suave und die Niedersächsischen Musiktage – zwei Welten begegnen sich. Das größte Klassik-Festival des Landes verleiht sich mit Nico, DabruTack, Tefla & Jaleel, Digger Dance und ihren DJs eine unklassische Note. Und doch gehören Pudelmützen und Hängehosen in das Programm wie Alfred Brendel, Wilhelm Wieben oder die Staatskapelle Weimar.
»MärchenErzählungen« lautet das Thema der diesjährigen Festival-Ausgabe. Es geht um Musik, die erzählt. »Und da kommen Sie um den deutschen Rap nicht herum«, sagt Michael Becker, der Intendant der Niedersächsischen Musiktage. »Deutscher Hip Hop ist keine Modeerscheinung mehr, er ist ein Stil und er ist hohe Kunst. Und er ist die erzählerische Ausdrucksform der 10- bis 40-jährigen!« Die Texte sind das eine, aber Becker haben es auch die Rhythmen und die Klänge angetan. »Hip Hop ist keine Popmusik. Er ist zu differenziert, und wenn du den Text nicht verstehst, bist du raus.«
Dabei steht der Festivalmacher weniger auf die Rap-Königinnen Sabrina Setlur (»Zu soft«) oder Girlies wie die einstigen TicTacToe. »'Dynamite Deluxe' ist mein persönlicher Favorit, Tefla & Jaleel sind genial. Die beiden Ostrapper bieten wunderbar subversive Klänge, ihre Texte sind engagiert und lässig – und man hört den Osten durch, das macht es sehr eigen.« Der 35-jährige Intendant trägt keine Baggies (das sind die Hosen, die auf dem Fußboden schleifen) und keine Pudelmütze (»muss ich doof aussehen, nur weil ich Hip Hop mag?«), aber er freut sich auf das Publikum in Wunstorf (7. 9.) und Syke (8. 9.) – »mit Sicherheit das ungewöhnlichste ist, das die Musiktage bisher hatten...«
Konzerttermine:
7. September 2001, 20 Uhr in Wunstorf, Hölty Gymnasium
8. September 2001, 20 Uhr in Stuhr, Gut Varrel