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freiheit1. - 30. September 2012
 

Kinder brauchen Märchen
Musiktage bieten vier Konzerte für kleine Zuhörer

Bunt ist das Festival sowieso: Von der Renaissance bis zum Hip Hop und von Alfred Brendel bis zum irischen Duo Tanglewood bieten die Niedersächsischen Musiktage ein Programm, das kaum ein Musikfestival wagt. Aber das Bunte hat Methode: »MärchenErzählungen« lautet das Thema von Niedersachsens Kulturflaggschiff, und das riecht nicht nur nach Romantik, sondern auch nach Kindern. »Aber eine Märchenstunde machen wir hier nicht«, versichert der Intendant des Festivals, Michael Becker. Märchen erklingen an allen Ecken der Musiktage, aber für die Kinder gibt es mehr. Einen Klassiker, sechs Uraufführungen und Besuch aus Nigeria.

Neben Prokofjews Märchenklassiker »Peter und der Wolf« gibt es sechs Auftragskompositionen des Festivals zu Lewis Carrols »Alice im Wunderland«. Mit dem Zürcher Klaviertrio hat sich eines der besten jungen Kammermusikensembles der Stücke angenommen. Zehn Minuten darf jedes dauern, zwei halbstündige Konzerte gibt es für die Klientel zwischen 6 und 10 - im richtigen Konzertsaal. »Es geht nicht darum, nette Spieldosenmusik zu spielen - Kinder sind für ungewöhnliche Klänge sehr viel empfänglicher als wir Erwachsenen. Sie haben noch keine uniformen Hörgewohnheiten und sie haben eine freiere Phantasie.« sagt Michael Becker.

Die können sie auch gut gebrauchen, wenn Jubril Sulaimon aus Nigeria das Festival besucht. Der Schauspieler steht in der Tradition der schwarzafrikanischen Storyteller, er weiß, wie und wann die Erde entstand und welche Musik damals gespielt wurde. Und er besitzt die Gabe, noch das zurückhaltendste Kind zum Tanzen und Singen zu bringen. Sulaimon, der fließend Deutsch spricht, wandert trommelbewehrt mit den Kindern durch die Weite seiner Heimat, macht eine Zwischenstation in Essen oder Bochum und entlässt sein Publikum mit einem neuen Blick auf die gute alte Märchenwelt.