Achtung: Sie nutzen eine ältere Version des Internet Explorers, welche von dieser Internetseite nicht mehr unterstützt wird. Für eine korrekte Seitendarstellung empfehlen wir Ihnen, Ihren Browser zu aktualisieren.

freiheit1. - 30. September 2012
 

Leistung ohne Evaluation: Diese Professoren sind Spitze

Von der Belohnung bis zur Abstrafung werden alle Mittel erwogen: Während Wissenschaftsminister und Uni-Rektoren in allen Bundesländern überlegen, wie sie die Leistung Ihrer hochdotierten Professoren kontrollieren können, ist es bei den sechs Musikern des Linos-Ensembles seit 25 Jahren keine Frage: 15 Punkte – Eins plus. Die Professoren Rademacher, Linowitzki, Jensen, Höfs, Bylund und Boettger sind mit ganzem Herzen Musiker und haben an den Hochschulen zwischen Lübeck und Trossingen begehrte Meisterklassen.

Jonas Bylund etwa, der 37jährige Posaunist, der seit 6 Jahren in Hannover unterrichtet, hat seine Studenten in die deutschen Spitzenorchester gebracht. Einmal im Jahr lädt er in den Semesterferien seine ganze Klasse auf eine kleine Insel in seine ostschwedische Heimat ein. Es wird geübt, gelernt und von Angeln über Karten bis Musik mit viel Freude viel gespielt.

»Musik ist eine sehr kommunikative und eine sehr soziale Kunst. Wie sollen meine Studenten zu guten Musikern werden, wenn sie nicht auch lernen, miteinander umzugehen und aufeinander zu hören?« sagt der Eishockey-Fan und zeigt für die akademische Anonymität wenig Verständnis: »Ich denke, wir neigen dazu, die Türen zwischen verschiedenen Fächern zu schließen. Dabei bin ich überzeugt, dass wir viel von einander lernen können. Nicht nur in der Musik oder in der Kunst allgemein. Ob Natur- oder Geisteswissenschaften: Sie können uns helfen, neue Blickwinkel und Problemlösungen kennen zu lernen. Und alle akademischen Berufe haben doch auch eine soziale Verpflichtung.« Und die kommt oft zu kurz. Bylund gibt aber auch zu, dass es die Musikprofessoren im Vergleich zu ihren Kollegen von den Universitäten sehr gut haben. »Unterricht von Angesicht zu Angesicht – zwei Menschen, eine Stunde. Das geht nicht anders, aber es ist schon luxuriös.«

Was die Musiker des Linos-Ensembles besonders interessiert, ist das Neue – die Erforschung neuer Musikwelten: Bylund und seine Professoren-Kollegen vom Linos-Ensemble spielen darum auf den Niedersächsischen Musiktagen die Uraufführung der ersten Oper, für die Woody Allen ein Libretto geschrieben hat. Premiere ist am 29. September in Hannover. Angst vor der studentischen Evaluation hat dabei keiner.