Drei Pianisten spielen nicht (nur) Klavier, Brendel, Shetler und Berthold auf den Niedersächsischen Musiktagen
»Es sind die ältesten Puppen, die ich besitze. Meine Eltern haben sie mir geschenkt. Ich war noch sehr klein.« Und dann hebt Norman Shetler die Hände in den kleinen Bühnenausschnitt und spielt - nur mit diesen Händen - eine der berühmtesten Nummern der Unterhaltungsmusik: Leroy Andersons »Typewriter«, durch Jerry Lewis zu Hollywood-Ehren gekommen, wird von Norman Shetler zum Klassiker geadelt. Der Name Norman Shetler verbindet sich für viele nur mit Klassikern. Schubert, Mozart, Beethoven, Wien, Berlin, London, Peter Schreier, Dietrich Fischer-Dieskau, Elly Ameling: Der Wahlwiener Shetler hat hunderte von ausgezeichneten Lied-Platten aufgenommen. Aber der Amerikaner führt ein künstlerisches Doppelleben: Er ist Pianist und Puppenspieler. Und er trennt die beiden Berufe klar. Man merkt bei dem Puppenspieler, dass dieser Mann Musiker ist. Die Eleganz, mit der Shetler die Handgelenke tanzen läßt und die punktgenauen Landungen der Finger auf den musikalischen Gags der Komposition - das macht Spaß und es ist zugleich hohe Kunst. Aber er wird nicht eine Taste anrühren, den ganzen Abend nicht - oder doch? Zu erleben auf den Niedersächsischen Musiktagen.
»Sie sind doch Woody Allen« fragt die ältere Dame den Ich-Erzähler. Der, zuerst überzeugt, es nicht zu sein, wird kleiner und kleiner und mutiert zu einer Woody Allen-Miniatur. Hat solche Ideen ein Pianist, zumal ein Jahrhundert-Pianist? Er hat: Alfred Brendel, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte, zählt zu den größten Pianisten seit es Bösendorfer gibt. Doch seine Karriere verlief anders als die der Wunderkinder und Tastenlöwen. Brendel entwickelte sich langsam und vielseitig. Das Klavier stand im Mittelpunkt, aber es gab viel Platz für andere Künste. Das mit der Malerei war's nicht ganz, aber Bücher wie »Kleine Teufel« oder »Störendes Lachen beim Jawort« sind Wellseller beim Münchener Carl Hanser-Verlag. Trotz des vollen Terminkalenders im Jubeljahr liest Alfred Brendel am 17. September im hannoverschen »FORUM am Schiffgraben«.
Dass klassische Musiker nicht tanzen können, ist ein weitverbreitetes (Vor-) Urteil. Doch es bedarf zunehmend der Korrektur. Dass aber eine der besten Pianistinnen ihrer Generation auch noch Tango-Kurse belegt, ist eine Ausnahme. Sie hat wallendes rotes Haar, und die Creolen im Ohr verraten Künstlerisches, aber nicht automatisch Tastenkunst. Doch Beatrice Berthold lebt ihre Liebe zur Romantik und zu Spanien kompromisslos aus - im Beruf und in der Freizeit. Als eine der ganz großen Interpretinnen der Musik von Granados, Albeniz und deFalla hat die junge Professorin Musik in den mitteleuropäischen Konzertsaal geführt, die hierzulande ungerechter Weise als bessere Folklore abgetan wurde. Dass die Spanier mehr konnten, beweist »die Berthold« in zwei Abenden auf den Niedersächsischen Musiktagen.
Termine:
Norman Shetler
15. September, 20 Uhr in Winsen/Luhe, Marstall
17. September, 20 Uhr in Lemförde, Amtssaal
Alfred Brendel
17. September, 20 Uhr in Hannover, Forum am Schiffgraben
Beatrice Berthold
19. September, 19 Uhr in Stapel, Kirche
20. September, 20 Uhr in Duderstadt, Rathaussaal